Mit dem mittlerweile
dritten Wohngebäude setzt sich eine junge Planungsgruppe unter dem label
„team_em“ im Ortsbild von Spitz an der Donau Akzente modernen
Wohnbaus. Auch das aktuelle Projekt hebt sich durch Raumkonzept und
Materialwahl ab von den üblichen Bauten in der Wachau, ohne sich jedoch
von (s)einer ursprünglichen Bautration zu entfernen.
Mit zwei – durchaus nicht
ortsüblichen – Einfamilienhäusern in Spitz an der Donau bzw.
einer Ski-Hütte am Jauerling (siehe Kasten auf Seite -) machte sich die
Architekturgruppe „team_em“ rund um Martin Ertl bereits einen
Namen. Holz dient dabei nicht nur für Blumenbalkone oder
Giebelverkleidungen, sondern wird als wesentliches Gestaltungsmittel in der
Akzentuierung der Baukörper eingesetzt. So auch bei dem zur Zeit in
Fertigstellung befindlichen „Haus Prankl“.
Ausgangsbasis für die Planung war
ein Wohnhaus für eine junge dreiköpfige Familie. Der schmale
Grundstücksstreifen des Baugrundes ist begrenzt durch einen
Gleiskörper und eine steil ansteigende Felswand an der Rückseite bzw.
durch eine schmale Aufschließungsstraße an der Frontseite.
Gegenüber dem Straßenniveau besteht ein deutlicher Niveausprung, die
Erschließung erfolgt über eine schmale Treppe in den Garten bzw. von
dort zum westseitig gelegenen Eingang. Als Fundament dient ein bestehendes
Kellergeschoß, das alte Wohnhaus darüber wurde abgerissen.
Beeinflußt ist die eigentliche
Gebäudekonzeption – neben den planerischen Grundelementen –
unter anderem durch die Zusammenarbeit mit einem kreativen Tragwerksplaner
(Büro Reinhard Schneider). Dieser war es auch, der für die
ursprünglich reine Holzkonstruktion aus funktionalen und wirtschafltichen
Gründen ein Tragskelett aus Stahlrahmen vorschlug. So entwickelte sich ein
Gesamtkonzept, bei dem der großvolumige Innenraum durch ein
abgehängtes Obergeschoß bzw. die von innen sichtbare
Stahlkonstruktion geprägt ist. Die Naßzellen von Sanitär- und
Kücheneinheit sind zusammengefasst und liegen in beiden Ebenen, im Sinne
kurzer Versorgungsleitungen, übereinander – eine Raumanordnung, die
sich aus planerischer Sicht an dem Grundgedanken des „Kobel“
orientiert.
Wesentlicher Ansatz ist auch die
Vermeidung nicht belichteter Erschließungsgänge. An ihrer Stelle
setzt das „team_em“ auf offene Verteiler und die Abtrennung von
Raumeinheiten durch großflächige Schiebetüren aus Holz. Ein
weiteres Element bilden Sichtachsen entlang der Aussenwände, für
deren konsequente Umsetzung etwa die Kücheneinrichtung in einen Erker
verlagert wurde. An der straßenseitigen Giebelfront befinden sich teils
eingeschoßige, teils zweigeschoßige Raumeinheiten für flexible
Nutzungsmöglichkeiten. Auf diese Weise realisierte man ein Loft mit
Rückzugsmöglichkeiten. Anzumerken ist, dass sich der Bauherr durch seine
Maschinenbau-Ausbildung unkonventionellen bautechnischen Lösungen
gegenüber besonders aufgeschlossen zeigte – eine nicht unwesentliche
Voraussetzung für die Realisierung dieses Konzeptes.
Mit einer neuen Stahlbetonplatte
über dem bestehenden Keller endet auch schon der massive Abschnitt dieses
Bauvorhabens (abgesehen vom Estrich). In diese sind die Ankerköpfe
für die aufgehende Stahlkonstruktion eingebettet (siehe Detailbild).
Zweifellos ist der Einsatz einer im Hallenbau üblichen Stahlkonstruktion
im Wohnbau eher selten anzutreffen. Die Vorteile liegen aber auf der Hand: so
konnte die Primärkonstruktion aus Stahl in einem Tag errichtet werden,
wenige Wochen später war das Gebäude im wesentlichen fertig.
Die durch einen
ortsansässigen Zimmereibetrieb errichtete Gebäudehülle ist
selbsttragend. Sie ist allerdings nicht im Sinne industriemässig
konfektionierter Module vorgefertigt. Vom Aufbau her handelt es sich um eine
Riegelkonstruktion mit horizontaler außenliegender
Lärchenholzschalung. Die innenliegende Dämmung besteht aus zwei
Schichten Mineralwolle in den Stärken 20 und 10 cm (Dach), 12 und 5 cm
(Wand) in Verbindung mit einer dampfdurchlässigen Folie.
Auch die Giebelwände sind als
Holz-Riegelkonstruktion ausgeführt. Um die aus statischer Sicht
benötigte Steifigkeit zu erhalten, sind diese zweischalig – aussen
32 OSB mit PU Leim verleimt, weiters ist der Leimbinder mit den OSB-Platten
verleimt und innen durch ein querliegendes Kantholz ergänzt. Das
eingehängte Galeriegeschoß ist hauptsächlich an acht Punkten
mittels Stahlstangen von den Stahlrahmen abgehängt und liegt
zusätzlich auch noch auf der Konstruktion der Giebelwände auf. Es hat
keine aussteifende Wirkung und ist lediglich seitlich im Bereich der
Naßgruppe an die Holzwand eingebunden.
Alle Fensterelemente sind in Aluminium
ausgeführt, aus Kostengründen wurde nur ein Element als
großflächiges Schiebeelement konzipiert. Diesem wird noch eine
kleine Terrasse auf Stahlgerüst in Lärchenholz vorgelagert. Ein
Kunststoffelement zwischen äußerer und innerer Fenster-Schale verhindert
Kondenswasserprobleme an der Innenseite.
Interessant gelöst sind die
Ausfachungen zwischen der sichtbaren, primären Dachkonstruktion: hier
entschieden sich Planer und Bauherr für unbeschichtete OSB-Platten, die
– lediglich mit einer weißen Lasur versehen – eine dezente
Struktur in der Fläche aufweisen. Die restlichen Innenwandflächen der
Außenwände sind mit Gipskartonplatten ausgeführt. Dem
„Sanitär- und Küchenkobel“ dienen Birkensperrholzplatten
als Verkleidung. Der Boden ist im Erdgeschoß als Ahorn-Industrieparkett
ausgeführt, im Obergeschoß findet ein Schiffboden aus
Lärche, welcher auch in das
Badezimmer geführt wird, Verwendung,
Kernstück der Wärmeversorgung
ist ein zentrales Lüftungsgerät mit integrierter Wärmepumpe im
Keller. Eine kontrollierte Wohnraumbelüftung war aus zwei Gründen
fixer Bestandteil des Haustechnik-Konzeptes: einerseits ist der Bauherr ein
Pollen Allergiker, andererseits sollte dadurch der Lärmbelastung der
naheliegenden Bahntrasse entgegengewirkt werden. Über einen massiven
Ansaugschacht und einen 20 m langen, unter der Rasenfläche liegenden
Betonkanal wird Luft angesaugt und vortemperiert. Sie wird in der Folge
über einen Kreuzstromwärmetauscher und eine Wärmepumpe
geführt, wo sie mit der Abwärme der verbrauchten Luft erwärmt
wird und so die Grundbeheizung des Hauses darstellt.
Die frische, erwärmte Zuluft wird in
die Aufenthaltsräume eingebracht, in den Nassräumen und im
Firstbereich wird im Gegenzug die verbrauchte Luft wieder abgesaugt, über
Lüftungskanäle in die Wärmepumpe im Lüftungsgerät
weitergeleitet. Von dieser wird die entzogene Wärme entweder der
Frischluft oder dem dem Brauchwarmwasserboiler zugeführt – je nach
Bedarf. Nach Berechnungen sollte die Leistungsfähigkeit dieses Systems
für 95 % des Warmwassers bzw. den Heizbedarf in der Übergangszeit
ausreichen. Eine Gas-Brennwerttherme übernimmt die zusätzliche
Wärmeversorgung an den kalten Tagen.
Grosse
Flächenheizkörper mit hohem Strahlungsanteil sorgen zwischen den
Glasflächen an den Aussenwänden für die Wärmeabgabe in den
Räumen. Eine speziell ausgebildete Heizleiste schützt im Wohnzimmer
bzw. im Bereich der Badewanne vor Kaltluftströmungen im Bereich der
Fenster. Ein wesentlicher Vorteil der gewählten Holz-Riegel-Konstruktion
ist natürlich die leichtere Integration haustechnischer Komponenten ohne
Schwächung der Wandstärke.
Im Hochsommer sollte das Zusammenspiel
aus vortemperierter Frischluft (Bodenkanal), Beschattungsgittern vor den
großflächigen Öffnungen, und die steuerbare Abluftführung
durch die Dachflächenfenster für angenehme Temperaturen sorgen.
Die Kombination und
Einbindung eines Stahltragwerkes in die Innenraumgestaltung eines Holzbauwerkes
eröffnet – wie hier demonstriert – zweifellos interessante
Möglichkeiten. Ergänzt werden diese rein statischen Gesichtspunkte im
„Haus Prankl“ mit einem offenen Raumkonzept, das durchaus
Vorbildcharakter für den Einfamilienhausbau besitzt. Dieses Gebäude
darüber hinaus in einem der Traditionsorte der Wachau zu finden, könnte
ein wichtiges Signal für mehr Aufgeschlossenheit gegenüber einer
„neuen“ Baukultur sein.
Alexander Riell
Planung: team_em,
Martin Ertl, Franz Henzl, Wien
Statik: Reinhard
Schneider, Wien
Bauführer und Massivbau: Bauunternehmung
Erich Steiner, Spitz
Stahlbau: Fa.
Renner Heinrich, Langenlois
Holzbau: Fa.
Gerhard Stierschneider, Spitz
Dachdeckung: Fa.
Bramac, Pöchlarn
Bauspengler: Fa.
Kepplinger, Spitz
Alufenster: Fa.
Silbernagl, Hoheneich
Fixverglasungen: Fa.
Siebenhandl, Spitz
Installateur -
Heizung/Sanitär: Fa.
Andreas Schwanzer, Mautern
Installateur - Lüftung: Fa.
Hans Schmid, Schrems
Elektro: Fa.
Elektro Langeder, Werfen
Bodenleger: Fa.
Christian Sekyra, Mautern
Tischler: Fa.
Manfred Garschal, Vitis